Wissen · Vorsorge · 8 Min. Lesezeit

Rentenlücke berechnen: in vier Schritten zur eigenen Zahl.

Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem, was Sie im Ruhestand ausgeben möchten, und dem, was netto tatsächlich ankommt. Pauschale Prozentsätze helfen dabei wenig. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Ihre persönliche Lücke realistisch ermitteln – inklusive Steuern, Sozialabgaben und Inflation.

Eberbach · Mosbach · Beratung auch per Video

01

Bedarf statt Quote

Ausgangspunkt sind Ihre künftigen Ausgaben, nicht ein Prozentsatz vom letzten Gehalt.

02

Netto rechnen

Auch Renten sind steuerpflichtig, dazu kommen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

03

Zeit ist der Hebel

Je früher Sie beginnen, desto kleiner wird die monatliche Sparrate für dasselbe Ziel.

Was die Rentenlücke eigentlich ist

Oft ist zu lesen, die Rentenlücke sei der Unterschied zwischen letztem Nettogehalt und gesetzlicher Rente. Das greift zu kurz. Im Ruhestand fallen manche Kosten weg, etwa Fahrten zur Arbeit oder Sparraten für die Altersvorsorge, andere kommen hinzu, zum Beispiel für Gesundheit, Reisen oder Unterstützung der Kinder.

Aussagekräftiger ist deshalb die Frage: Wie viel Geld möchten Sie im Ruhestand monatlich zur Verfügung haben – und wie viel davon decken Ihre erwarteten Einkünfte nach Steuern und Abgaben? Die Differenz ist Ihre persönliche Rentenlücke. Sie kann deutlich größer oder kleiner sein als jede Faustformel.

Schritt 1: den Bedarf im Ruhestand schätzen

Beginnen Sie mit Ihren heutigen Ausgaben und gehen Sie die Posten einzeln durch. Wohnen Sie zur Miete oder ist die Immobilie bis zum Ruhestand abbezahlt? Fallen Kredite, Kinderbetreuung oder Arbeitswege weg? Welche Wünsche möchten Sie sich erfüllen, wenn Sie mehr Zeit haben?

  • Fixkosten: Wohnen, Energie, Versicherungen, Mobilität
  • Lebenshaltung: Lebensmittel, Kleidung, Kommunikation
  • Gesundheit: Zuzahlungen, Zahnersatz, Brillen, Pflegevorsorge
  • Freizeit und Wünsche: Reisen, Hobbys, Geschenke

Rechnen Sie zunächst in heutigen Preisen. So bleibt die Zahl greifbar. Die Inflation kommt in einem eigenen Schritt hinzu.

Schritt 2: erwartete Einkünfte zusammentragen

Ihre wichtigste Quelle ist die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung, die Sie ab 27 Jahren jährlich erhalten. Sie zeigt eine Hochrechnung Ihrer gesetzlichen Rente. Ergänzen Sie Betriebsrenten, private Rentenversicherungen, Riester- und Basisrenten, Mieteinnahmen und mögliche Kapitalerträge.

Wichtig ist der Schritt von brutto zu netto. Renten werden nachgelagert besteuert; der steuerpflichtige Anteil hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab und steigt für spätere Jahrgänge. Gesetzlich versicherte Rentner zahlen zudem Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, auch auf viele Betriebsrenten. Ziehen Sie diese Abzüge realistisch ab, bevor Sie Einkünfte und Bedarf vergleichen.

Schritt 3: Inflation und Zeit berücksichtigen

Ein Euro hat in dreißig Jahren nicht mehr die Kaufkraft von heute. Schon bei durchschnittlich zwei Prozent Inflation halbieren sich die Preise in rund 35 Jahren – oder anders gesagt: Für denselben Einkauf brauchen Sie dann etwa doppelt so viel Geld. Ihre Rentenhochrechnung ist dagegen oft in heutigen Werten angegeben.

Damit Bedarf und Einkünfte vergleichbar bleiben, sollten beide Seiten in derselben Logik gerechnet werden. Entweder rechnen Sie alles in heutiger Kaufkraft oder alles in künftigen Euro. Spielen Sie außerdem unterschiedliche Szenarien durch: früherer Ruhestand, Teilzeitphasen oder höhere Inflation verändern das Ergebnis spürbar.

Schritt 4: aus der Lücke einen Plan machen

Die monatliche Lücke lässt sich in ein Kapitalziel übersetzen: Wie viel Vermögen brauchen Sie zum Rentenbeginn, um den fehlenden Betrag über die erwartete Dauer des Ruhestands auszuzahlen? Daraus ergibt sich wiederum die nötige Sparrate bis dahin. Wer mit 30 beginnt, kommt mit einem Bruchteil der Rate aus, die mit 50 nötig wäre.

Für die Umsetzung kommen mehrere Wege infrage, oft in Kombination: betriebliche Altersvorsorge mit Arbeitgeberzuschuss, Basisrente für Selbstständige, private Rentenversicherungen mit lebenslanger Auszahlung oder flexible Fondssparpläne. Kosten, Steuervorteile, Flexibilität und Garantien sollten dabei zu Ihrer Situation passen.

Selbst nachrechnen

Bedarf und Einkünfte in einer Rechnung.

Tragen Sie Ihr gewünschtes Monatsbudget und Ihre erwarteten Nettoeinkünfte ein. Die Grafik zeigt sofort, wie groß die Lücke mit Ihren eigenen Annahmen ausfällt.

Ihre Angaben

Ihr Einkommen heute.
Ihre Rente morgen.

Aus Gehalt und Beitragsjahren schätzt der Rechner Ihre gesetzliche Rente – netto und in heutiger Kaufkraft. Die Startwerte sind Beispiele.

In vollen Jahren.

Jahre mit Rentenbeiträgen, etwa aus Ausbildung und Beschäftigung. Sie stehen in Ihrer Renteninformation.

Inklusive Sonderzahlungen. Oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze zählt das Gehalt nur bis zur Grenze.

mit 67 Jahren

Regelaltersgrenze 67. Je Jahr früher 3,6 % Abschlag, je Jahr später 6 % Zuschlag.

In heutiger Kaufkraft. Als Faustregel gelten 70 bis 80 % Ihres heutigen Nettoeinkommens.

Erwartete Nettoleistung aus betrieblicher oder privater Vorsorge pro Monat. 0, wenn keine vorhanden ist.

Ihre Schätzung

Ihre monatliche Rentenlücke

1.077 €

Rente und Vorsorge decken rund 57 % Ihres Wunscheinkommens.

Bis zum 85. Lebensjahr summiert sich die Lücke auf rund 232.546 € in heutiger Kaufkraft.

Wunsch und Einkommen im Vergleich
Ihr Wunscheinkommen2.500 €
Einkommen im Ruhestand1.423 €
Rentenlücke1.077 €

So setzt sich Ihr Einkommen zusammen

Gesetzliche Rente brutto
1.728 €
Kranken- und Pflegeversicherung
− 213 €
Einkommensteuer (geschätzt)
− 91 €
Gesetzliche Nettorente
1.423 €

42,4 Entgeltpunkte aus 44 Beitragsjahren · Rentenbeginn 2058 · 100 % der Rente steuerpflichtig

Was bedeutet der Betrag für Ihre Planung?

Die Lücke ist der monatliche Betrag, der Ihnen im Ruhestand zu Ihrem Wunscheinkommen fehlt. Wie Sie ihn am besten schließen, hängt von Zeit, Vermögen, Kosten und Risiken ab.

Gemeinsam einordnen
So rechnet der Rechner

Gehalt bis zur Beitragsbemessungsgrenze geteilt durch das Durchschnittsentgelt (51.944 €) ergibt die Entgeltpunkte pro Jahr. Angenommen wird, dass Sie bisher und künftig auf demselben Gehaltsniveau verdienen. Entgeltpunkte mal aktueller Rentenwert (40,79 €) ergibt die Bruttorente; davon gehen Abschläge oder Zuschläge, Kranken- und Pflegeversicherung (12,35 %) und die Einkommensteuer nach heutigem Tarif ab (alleinstehend, ohne Kirchensteuer, ohne weitere Einkünfte). Alle Beträge in heutiger Kaufkraft. Die Schätzung ersetzt nicht Ihre Renteninformation.

Inflation sichtbar machen

Was Ihr Budget von heute später kostet.

Wählen Sie Zeitraum und Inflationsszenario. So sehen Sie, wie viel Geld Sie zum Rentenbeginn für denselben Lebensstandard brauchen.

Kaufkraft · Szenario

Gleicher Alltag.
Anderer Geldbedarf.

Verändern Sie die Annahmen. Die Rechnung zeigt nur den Preiseffekt; sie prognostiziert weder Inflation noch die Entwicklung Ihrer Rente.

Der Betrag für die Ausgaben, die Sie vergleichen möchten.

25 Jahre

Heute bis in 40 Jahren

2 %

Konstante Annahme · 0 bis 5 %

Gleiche Kaufkraft, künftiger Eurobetrag

Monatlicher Bedarf in 25 Jahren

4.102 €

1.602 € mehr als heute bei konstant 2 % Inflation pro Jahr.

Monatlicher Geldbedarf über die ZeitAchse in Tausend Euro pro Monat
Bei 2 Prozent jährlicher Inflation verändert sich ein Budget von 2.500 € innerhalb von 25 Jahren auf 4.102 €. Die gestrichelte Linie zeigt den heutigen Eurobetrag.02,55HeuteIn 25 Jahren
Bei angenommener Inflation Heutiger Eurobetrag

2.500 € behalten ihren Nennwert. Bei diesem Szenario wäre ihre Kaufkraft in 25 Jahren mit rund 1.524 € heute vergleichbar.

So ist die Grafik zu lesen

Geldbedarf später = heutiges Budget × (1 + Inflationsrate) hoch Anzahl der Jahre. 2 % ist hier eine veränderbare Rechenannahme. Persönliche Ausgaben können anders steigen; Einkommen, Rentenanpassungen und Anlageerträge sind nicht eingerechnet. Angezeigte Eurobeträge sind gerundet.

Beispielrechnung als Tabelle ansehen
Monatsbudget bei konstant 2 % Inflation pro Jahr
ZeitpunktBenötigter BetragMehr als heute
Heute2.500 €0 €
In 6 Jahren2.815 €315 €
In 13 Jahren3.234 €734 €
In 19 Jahren3.642 €1.142 €
In 25 Jahren4.102 €1.602 €
Grundlagen zum Nachlesen: Europäische Zentralbank · Inflation

Fragen & Antworten

Gut zu wissen. Klar beantwortet.

Häufige Fragen zur Berechnung der Rentenlücke. Mit Ihren Unterlagen rechnen wir die Zahlen gern gemeinsam durch.

Wo finde ich meine voraussichtliche gesetzliche Rente?

In der Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung, die Versicherte ab 27 Jahren und mit mindestens fünf Beitragsjahren jährlich erhalten. Ab 55 gibt es alle drei Jahre eine ausführlichere Rentenauskunft. Beides können Sie auch online anfordern.

Ist die Hochrechnung in der Renteninformation verlässlich?

Sie ist eine Orientierung unter der Annahme, dass Sie bis zur Regelaltersgrenze ähnlich weiter einzahlen. Längere Teilzeit, Arbeitslosigkeit oder ein früherer Rentenbeginn verändern den Betrag. Außerdem ist sie ein Bruttowert vor Steuern und Sozialabgaben.

Wie viel Prozent meines Nettos brauche ich im Alter?

Häufig werden 70 bis 80 Prozent genannt. Für Ihre Planung ist eine eigene Ausgabenrechnung aber deutlich genauer. Wer schuldenfrei im Eigenheim lebt, braucht oft weniger, wer zur Miete wohnt und reisen möchte, eher mehr.

Ab wann sollte ich mit der Altersvorsorge beginnen?

So früh wie möglich. Durch den Zinseszinseffekt hat jeder früh gesparte Euro mehr Zeit zu wachsen. Wer später beginnt, kann die Lücke trotzdem schließen, muss dafür aber deutlich höhere Beträge zurücklegen.

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